HERANDSHOLMEN
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Herandsholmen um 1900

Herandsholmen - Geschichte

Herandsholmen war ursprünglich Handelsniederlassung,
Herberge und Gerichtsort in der Zeit, in der es noch keine Straßen und Autos gab und in der der gesamte Verkehr über den Fjord abgewickelt wurde.

 
Segelschiffe des Hardangers ca. 1800


1754 erhielt Carl Commerou von dem Amtmann Cicignon eine vorläufige Genehmigung zur Betreibung einer Herberge.
Die königliche Konzession dazu wurde ihm 1758 erteilt. An diesem Ort jedoch hatten Reisende schon lange Zeit zuvor übernachtet, nicht zuletzt wegen des äußerst zentral gelegenen, guten Hafens, der den Booten bei jedem Wetter eine problemlose Ein- und Ausfahrt gewährte.
Der erste Eigentümer von Herandsholmen, von dem man weiß, war Simon Holmen.
Man nimmt an, dass er um 1650 hier gelebt hat. Der Kern des Haupthauses stammt vermutlich aus dieser Zeit.


Der Fensterscheibe auf der Küche
des Haupthauses

Auf einer Fensterscheibe, die sich noch in der Küche des Haupthauses befindet, kann man die Inschrift lesen: „Sergeant Peder Olsen, Korporal Jens Ørn, anno 1731". Auf einer anderen Fensterscheibe steht: „Der hochgelehrte und hochwürdige Magister Ole Gjerdrum 1731".
Die Fensterscheiben wurden wahrscheinlich von dem Glasermeister Bernhard Siebentopf in Bergen angefertigt. In den Jahren zwischen 1680 und 1750 war es nämlich Sitte, dass Gäste Fensterscheiben mit eingravierten Namen und Jahreszahlen als Geschenk mitbrachten

1774 übernahm Peter Harmens, der Bruder des bekannten und wohlhabenden Bergener Kaufmanns Hildebrann Harmens, Herandsholmen. Herandsholmen war ab 1760 40 Jahre lang Gerichtsort für Jondal und Kvam, und zu diesem Zweck wurde ein Gerichtssaal gebaut. Das Gericht unterstand Lysekloster. Zu Beginn des 19. Jh.s entwickelte sich allmählich der Handel, und der Gerichtssaal wurde zu einem Kaufladen umfunktioniert.

Sjur und Eli Herandsholmen
Sivert Frimann hatte nun die Herberge übernommen. Er war jedoch meist mit seinem Frachtsegler unterwegs, unter anderem zwischen Bergen und Portugal, mit Klippfisch von Bergen und Salz auf der Rückfahrt von Portugal. 1835 heiratete er Eli Sjursdtr. Rondestveit, 1800 geboren, aus Ulvik. Sivert kam 1845 auf der See bei Skudesnes um, nur 33 Jahre alt. Als Fracht hatte er Öfen von Ulefoss auf seinem Schiff, die in Bergen verkauft werden sollten

Sjur Torsteinsson Herandsholmen, 1805 geboren, übernahm 1846 Herandsholmen, als er die Witwe von Sivert Frimann heiratete. Sjur T. Herandsholmen war ein erfahrener, tüchtiger Geschäftsmann, der den Handel in Herandsholmen zum Erblühen brachte. Hier wurde lange Zeit, bevor man in Norheimsund und Øystese zu handeln begann, Handel betrieben. Die Leute ruderten über den Fjord nach Herandsholmen, um Korn, Salz, Hanf, Werg, Leder, Eisen, Nägel, Teer und Tranleuchten zu kaufen. Sjur T. Herandsholmen hatte 2 Frachtsegler, die zwischen Herandsholmen und Bergen, wo er mit Kaufleuten wie Eche, Monclaire, Mohn, Heiberg u. a. handelte, pendelten. Zusätzlich lieh er in beträchtlichem Umfang Geld gegen Hypotheken aus, gewöhnlich zu 4 % Zinsen. Sjur, der jetzt bereits 25 Jahre lang Witwer war, starb 1897 als äußerst wohlhabender Mann. Er vermachte insgesamt ca. 20 Millionen Kronen

“Tingstova” wurde zu einem Landgeschäft um 1800 verändert
(Kronenwert/Lohnniveau/Kaufkraft umgerechnet in den heutigen Kronenwert) den Gemeinden Kinsarvik, Ulvik, der Pfarrgemeinde Østensø ( heute Kvam ) sowie Jondal.
Letztere allein erhielt einen Betrag, der heute etwa 10 Millionen Kronen entsprechen würde, einschließlich Schulden, die er der Gemeinde erließ. Dies resultierte unter anderem in dem Bau eines neuen Schulhauses in Herand für die Volksschule und die weiterführende Schule.
Der Taufengel, der immer noch in der Kirche von Jondal hängt, ist auch ein Geschenk von ihm. Auf seinem Sterbebett ließ Sjur allen, die ihm Geld schuldeten, die Mitteilung senden, dass er, wenn sie kommen und ihm danken wollten, ihre Schulden in seinen Büchern streichen würde. Die meisten kamen
.

Auf dem unter Denkmalschutz gestellten Grabstein von Sjur Herandsholmen an der Kirche von Jondal kann man lesen: „Hier ruht der Staub von Sjur Herandsholmen".

Lars Storaas, 1847 geboren, Großvater des heutigen Eigentümers, kaufte den Besitz von

Lars und Aagaata Storaas
Sjur T. Herandsholmen (seinem Onkel) im Jahre 1885. Verglichen mit anderen Höfen, die in dieser Zeit veräußert wurden, war die Kaufsumme ungemein hoch. Lars Storaas war als ausdauernder und tüchtiger Seemann und als erfahrener Geschäftsmann bekannt. Er war jedoch auch ein Mann mit starken und warmen Gefühlen, die er sowohl in Poesie als auch in Prosa zum Ausdruck zu bringen vermochte. Er schrieb unter anderem einige wunderschöne Liebesgedichte für seine geliebte Gemahlin Aagaata, mit der er 12 Kinder zusammen hatte. Sie verstarb 1943, 88 Jahre alt.

Lars Storaas betrieb Handel mit Nordnorwegen mit großen Frachtseglern und Galeassen. Er kaufte Hering und salzte ihn in Fässern ein, die dann in Bergen weiterverkauft wurden. Ebenso kaufte er Fisch in den Lofoten, salzte ihn in den Laderäumen auf seinen Schiffen ein und brachte ihn zu den Orten, wo er getrocknet werden sollte. Herandsholmen wurde häufig zum Trocknen von Fisch benutzt wegen seiner schönen Felsen auf der Nordseite des Holms. Dieser Klippfisch wurde an die Exporteure in Bergen verkauft. Lars Storaas und seine Mannschaft reisten auch in die Ostseeländer, unter anderem nach Riga, um dort Hering zu verkaufen.
  Das Segelschiff "MUNIN" von 1908 " war im Besitz von Lars Storaas, Herandsholmen.


Der Handel auf Herandsholmen dauerte bis 1914 an. Damit war die Zeit für Herandsholmen als Zentrum am Hardangerfjord vorbei. Die Küstendampfer kamen und es wurde an mehreren Orten Handel getrieben. Lars Storaas war ein gesellschaftlich äußerst engagierter Mann – in mehreren Perioden war er z. B. Bürgermeister in der Gemeinde Jondal. Außerdem war er Schlichter in Vergleichsverfahren. Im „Tantenhaus" hatte er sein Bürgermeisterbüro, und am Büro vorbei weiter innen befindet sich der große Saal, der zeitweise für Gemeindeversammlungen verwendet wurde.

Als Lars Storaas 1925 im Alter von 78 Jahren starb, schrieb die Zeitung „Hardanger" in einem Leitartikel unter anderem: „Mit Lars Storaas hat uns einer der bekanntesten, nützlichsten und bedeutendsten Männer von Ytre Hardanger verlassen. Im Gemeindeleben von Jondal ist er so nützlich wie kein anderer vor ihm gewesen. Es gibt wohl keinen, der so häufig die 20 km zwischen Herand und Jondal hin und zurück gerudert ist, häufig mehrere Male in der Woche. Er war jedoch auch ein kräftiger Bursche, dem es nichts ausmachte, wenn er körperlich hart arbeiten musste und dabei nass wurde. Er war ein guter Administrator, dem die Bearbeitung der einzelnen Sachen leicht von der Hand ging. Die Gemeindeversammlungen unter seiner Leitung waren nie langwierig und ermüdend.

Lars und Aagaata Storaas,
1877 neuvermählt

Das Verplempern von Zeit, formelle Pedanterie, das Hinauszögern von Entscheidungen sowie halbherzige Schritte waren ihm zuwider. Er hatte einen praktischen Verstand, einen sicheren Instinkt und bildete sich immer schnell eine eigene Meinung, und das Gleiche erwartete er von den anderen. Als alter Geschäftsmann war er in finanziellen Angelegenheiten erfahren und führte die Finanzpolitik der Gemeinde vorsichtig, ohne dabei geizig zu sein, jedoch auch ohne allzu freigebig und verschwenderisch zu sein. Lars Storaas war eine imposante Erscheinung, von hoher Gestalt, schlank und flott bis ins hohe Alter. Auch in seinem Ort war er eine angesehene Persönlichkeit und galt als Ehrenmann bis in die Fingerspitzen".

Torvald Storaas und seine Frau Ragna, die Eltern des heutigen Eigentümers, übernahmen Herandsholmen im Jahre 1940. Torvald war in der Küstenfrachtschifffahrt tätig und war deswegen häufig unterwegs. Die gesamte Zeit jedoch, die ihm zu Hause zur Verfügung stand, verwendete er auf die Instandhaltung des Besitzes, wobei es ihm besonders wichtig war, dass die Dächer der Gebäude dicht waren. Hauptsächlich ihm hat man es daher zu verdanken, dass alle Häuser heute noch stehen. Auch Ragna war eine äußerst tüchtige Frau, die mit der Vermietung auf Herandsholmen begann.

Der älteste Sohn von Torvald Storaas, Torleiv Storaas, übernahm 1974 den Besitz. In den letzten Jahren hat er zusammen mit seiner Fraudie Häuser einer umfassenden Renovierung unterzogen. Es ist ihnen gelungen, modernen Komfort mit dem ursprünglichen, von Kulturhistorie geprägten Charakter der Gebäude zu verbinden. Heute zeigen sich die Häuser auf Herandsholmen als komfortable, würdige kulturhistorische Perlen, wunderschön gelegen mitten im Herzen des Hardangerfjords.


Copyright: HERANDSHOLMEN/Storaas

Quellen: Alte Briefe und Dokumente, Testamente, Die Nationalen Archive des Norwegens
Die Staat Archive in Bergen.

Alfred Storaas: „Herandsholmen" (eigener Verlag, 1969)

 

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